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Kirchengemeinde Hagen

Martin-Luther-Kirche

Die Martin-Luther-Kirche zu Hagen

Quelle: Stuckrad
Die Martin-Luther-Kirche zu Hagen ist ein Kleinod, ein Kunstschatz, Ort der Verkündigung und Gottesbegegnung.“ So hat es der ehemalige Sandstedter Pastor und Kunsthistoriker, Dr. Dietrich Diederichs-Gottschalk, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums im Jahres 1997 auf den Punkt gebracht.                                                                                                                                   Mit dem Bau der Martin-Luther-Kirche im Jahre 1897 begann für Hagen und Kassebruch ein neues Kapitel gottesdienstlichen Lebens. Ein vollkommener Neubeginn war es allerdings nicht, denn schon lange vorher gab es in Hagen öffentliche Gottesdienste: Bis zum Ende des 30-jährigen Krieges für alle Driftsether, Hagener und Kassebrucher in der Burg. Danach im Kapellensaal, wo ein vom Königlichen Konsistorium fest angestellter Kapellan an Sonn- und Feiertagen eine Predigt oder Vorlesung hielt.                                                                                                       Nach dem Entzug der Nutzungsrechte für den Kapellensaal im Jahre 1820 waren die drei Geestdörfer gezwungen, die Gottesdienste in Bramstedt zu besuchen. So war Hagen zwar Sitz des Amtsgerichtes, besaß aber keine Kirche, ein Novum im Hannoverschen des 19. Jahrhunderts.                                                                                                                                       1869 wurde der Wunsch nach einer eigenen Pfarrei laut. Für die Bestrebungen nach kirchlicher Eigenständigkeit hatte die Mutterkirche in Bramstedt anfangs überhaupt kein Verständnis. 1894 war endlich der Weg frei für den Neubau der Martin-Luther-Kirche. Die Planungen konnten beginnen. Als Architekt wurde der erfahrene Konsistorial-Baumeister Carl Wilhelm Hase aus Hannover gewonnen. Er schuf einen Sakralbau, der „einen mystischen Eindruck vermitteln, das Eintauchen in die göttliche Sphäre inmitten der industrialisierten Welt ermöglichen sollte“.  So entstand in Hagen eine neugotische Kirche mit nach vorn ausgerichteter Sitzordnung, einem erhöhten, gesonderten Altarraum sowie einer kunstfertigen, mit viel Holz hergestellten Innenausstattung. 1897 wurde das Gotteshaus geweiht.
Wandflächen und Decken sind mit Schablonenmalerei in Blau- und Altrosatönen verziert. Die drei Buntglasfenster hinter dem Altar wurden gestiftet. Das linke Fenster zeigt den barmherzigen Samariter, das mittlere die Auferstehung Christi und das rechte die Segnung der Kinder.                                                                                                                                                  Die erste Turmuhr, deren Uhrwerk noch per Hand aufgezogen werden musste, stammte aus dem alten Amtsstubengebäude. Sie verfügte über ein Vierviertel-Schlagwerk, das ein Mal im Jahr geölt werden musste. Nach 56 Jahren unermüdlichen Zeitnehmens hat sie 2010 ihren Geist aufgegeben. Um fünf vor 12 blieb sie stehen.                                                                                                                     Das bewegte mächtig die Gemüter der Hagener Bürger. In einer beispielhaften Spendenaktion kamen 9000 Euro für die Anschaffung einer neuen Turmuhr zusammen. Auch an dem Kirchengebäude nagt der Zahn der Zeit. Um Schäden an dem wertvollen Bauwerk zu vermeiden, sind ständige Erhaltungsmaßnahmen notwendig. Eine große Außen- und Innenrenovierung wurde 1987 in Angriff genommen. Auch der Glockenstuhl ist inzwischen grundsaniert worden. Dazu mussten die beiden tonnenschweren Kirchenglocken mit einem Kettenzug angehoben werden.
                                                                                                                                                                   Ursula Hess